Was Controlling-Reports von Dashboard-Challenges lernen können und was besser nicht
Auf LinkedIn sehen Power-BI-Dashboards inzwischen aus wie Produktdesign: Glasoptik, Icon-Navigation, KPI-Karten mit Pfeilen und Multiplikatoren. Die meisten dieser Reports stammen aus drei Wettbewerben: der monatlichen DataDNA-Challenge von Onyx Data, den FP20-Analytics-Challenges und den Data Challenges von Maven Analytics. Wer ein Report-Template für das eigene Controlling baut, steht vor der Frage, was davon Substanz ist und was Show.
Ich habe mir die Gewinnerberichte der letzten Runden angesehen, darunter die FP20-Challenge vom März 2026 zum europäischen Immobilienmarkt. Das Ergebnis ist ernüchternd und nützlich zugleich: Die Optik gewinnt nicht. Die Struktur gewinnt.
Was die Gewinner gemeinsam haben
Befragt man Challenge-Gewinner nach ihren Prinzipien, fällt auf, wie unspektakulär die Antworten sind. Die Seite folgt der Z-Leserichtung: die wichtigste Zahl oben links, die Kennzahlenzeile nach rechts, das Detail darunter. Die Farbpalette ist festgelegt, bevor das erste Visual entsteht. Und jede Seite erzählt genau eine Aussage, nicht zehn.
Der Punkt mit der Aussage ist der unterschätzteste. Gewinnerberichte titeln nicht "Umsatzübersicht", sondern formulieren die Erkenntnis in den Seitenkopf: "Doppelte Adoption, weniger Unterstützung pro Betroffenem". Der Leser weiß nach einer Sekunde, was die Seite sagen will. In Controlling-Berichten fehlt genau das fast immer. Dort stehen Labels, wo Aussagen stehen sollten.
Was sich für ein Unternehmens-Template lohnt
Vier Muster übernehme ich aus der Challenge-Welt in Kundenprojekte, weil sie wenig kosten und viel bringen.
Die Kennzahlenzeile nach dem Schema "Ausgangswert, Istwert, Bewertung". Jede Karte liest sich als Bewegung: Forecast zu Ist, Vorjahr zu Ist, mit Abweichung und Einordnung. Das passt sauber auf ein Measure-Layering aus Basis-, Berechnungs- und KPI-Schicht.
Tooltip-Seiten für Kennzahlendefinitionen. Ein kleines Info-Icon an der Karte, dahinter Definition, Quelle und Berechnungsstand. Das beantwortet die häufigste Rückfrage in jeder Geschäftsführungssitzung, bevor sie gestellt wird.
Ein Metadaten-Footer. Challenge-Reports schreiben ihre Datenbasis unter die Seite, etwa Stichprobengröße und Abdeckung. Übersetzt für das Controlling: Datenstand des letzten Refresh, Quellsystem, Qualitätsstatus. Eine Zeile, die mehr Vertrauen schafft als jedes Styling.
Ein reduziertes Wallpaper. Der aufgeräumte Look entsteht durch definierte Panel-Flächen auf ruhigem Grund, als Hintergrundbild hinterlegt. Eine helle Fläche mit weißen Karten reicht. Das sind achtzig Prozent der Wirkung bei einem Bruchteil des Aufwands.
Was in der Challenge-Welt bleiben sollte
Drei Dinge sehen gut aus und altern schlecht.
Glasoptik und Deko-Verläufe entstehen in Figma oder PowerPoint und werden als Bild hinterlegt. Jede Layoutänderung heißt danach: zurück ins Designtool, neu exportieren, neu einpassen. In einem Wettbewerb mit einer Abgabe ist das egal. In einem Bericht, der monatlich weiterentwickelt wird, ist es ein Wartungsposten ohne Gegenwert.
Bookmark-Touren, also diese "Guide 1 von 3"-Overlays, brauchen pro Seite mehrere Bookmarks und versteckte Visual-Gruppen, die bei jeder Änderung mitgepflegt werden müssen. Wer Onboarding braucht, fährt mit einer statischen Info-Seite hinter einem Fragezeichen-Icon besser.
Und die auffällige Interaktivität der Gewinnerberichte verdient einen zweiten Blick: Onyx Data und FP20 werden von ZoomCharts gesponsert, die Teilnahmebedingungen schreiben deren bezahlte Custom Visuals vor. Die Drill-Down-Optik der Gewinner ist also teils Sponsorenauflage, nicht Designentscheidung. Denselben Effekt erreichen Sie mit nativen Drill-Through-Seiten und Hierarchie-Drill, ohne sich an einen Visual-Anbieter zu binden.
Das Takeaway
Dashboard-Challenges sind eine gute Designschule, wenn man die richtige Lektion mitnimmt. Nicht die Glasoptik gewinnt, sondern Leserichtung, eine Aussage pro Seite, konsistente Farben und sichtbarer Datenkontext. Genau diese vier Dinge gehören in ein Report-Template. Der Rest ist Portfolio-Schmuck, und der hat im Monatsreporting nichts verloren.